Vor den Hundstagen 1998 in den Balearen

Am 23. Juli beginnen die Hundstage, die wärmste Zeit des Jahres. Weil dann der Sirius zusammen mit der Sonne aufgeht, glaubte man in der Antike, dieser Stern würde zusätzliche Hitze bringen.

Am 11. Juli 1998 stehe ich morgens um 9 Uhr vor einer Janneau 44 im Real Club Nautico von Palma de Mallorca. Hitze gibt es bereits jetzt genug, und ich bin sie aus Deutschland noch nicht gewohnt. So geht es auch einem Skipper, den ich aus dem Hafencafé beobachte. Er vergisst beim Einlaufen in die Box aufzustoppen und rammt mit dem Bug den Betonsteg. Großer Aufruhr unter dem Charterpersonal. Der Schaden ist so schwerwiegend, dass Törn und Kaution futsch sind. Aha, denke ich mir, diese Hitze steigt einem anscheinend ins Dachstübchen...

Uns ergeht es besser. Um 21 Uhr ist die Crew vollständig und wir laufen am nächsten Morgen aus, um binnen zwei Wochen Mallorca zu runden. Die Crew will im Uhrzeigersinn fahren. Ich wende ein, dass dieser Kurs um diese Jahreszeit vorwiegend Seewind von Backbord bedeutet. Man ist dann nach den Kollisionsverhütungsregeln KVR meist ausweichpflichtig. Für solche Argumente reicht der Grips nicht mehr, und so fahren wir manche Wende, weil entgegenkommende Schiffe Vorfahrt haben. Ich bin ein weiteres Mal gewarnt vor Urlaubern, die keine Hitze vertragen, und so setzt sich das fort...

Wir nehmen also Kurs auf Andraix, wo wir die Nacht von Sonntag auf Montag ankern.

Die Lage zu dieser Zeit zeigt die Karte vom 13. Juli 1998:

Trog irische See, Keil westliches Mittelmeer mit einzelnen Hochdruckkernen. Ein typisches Bild bei großer Hitze.

Wir machen uns auf den Weg nach Puerto del Soller an der Nordwestküste und werfen in der gut geschützten, bildschönen Bucht Anker neben einer Ketsch, die einem Rentnerehepaar als Altersruhesitz dient. Der Mann hat eine Sturmwarnung aufgeschnappt und rät uns, einen zweiten Anker auszubringen, was allerlei Gemurkse mit dem leichten Dingi und dem schweren, sperrigen Stockanker zur Folge hat. Jaja, die Hitze...

In der Nacht ergibt sich folgendes Bild, 14. Juli 1998:

Die Trogachse ist zur Biskaya gewandert. Die Hochdruckkerne sind kleinen Hitzetiefs gewichen, eines im Alboran, ein anderes an der algerischen Ostgrenze. Da das Azorenhoch seinen Keil westwärts vorschiebt, entsteht ein Windfeld über Zentralspanien. Deshalb also die Sturmwarnung!

Im Laufe des 14. Juli trifft der Wind bei uns ein, angekündigt durch morgentliche Schichtwolken mit ein paar Regenspritzern, gegen Mittag Aufklaren. Den Tag über versuchen immer wieder andere Yachten auszulaufen. Allesamt sind sie aber nach einer Dreiviertelstunde wieder in der Bucht und ihre Besatzungen sehen ziemlich zerzaust aus. Wir bleiben drin und unternehmen lieber Landausflüge.

Die nächste Nacht, 15. Juli 1998:

Das Starkwindfeld liegt jetzt schon nördlich von uns, zwischen den Pyrenäen und Korsika und darf sich nun Mistral nennen.

Für uns ist die Störung vorüber, so dass wir am 15. Juli auslaufen. Kein Wind. Es steht allerdings noch die alte Windsee vom Vortag, so dass wir keine Fahrt machen und arg durchgeschüttelt werden, unser Vorhaben abbrechen und einen weiteren Hafentag einlegen. Segelyachten ohne Segel taugen in groben Wellen wenig.

16. Juli 1998:

Das Intermezzo ist auch im Golfe de Lyon und der Ligurischen See vorüber, der Hochdruck wieder bis Sizilien ausgedehnt. Nun können die Hundstage kommen.

Seemannschaftliches Fazit: