Rund Korsika im Spätsommer - und was daraus wurde

Frühjahr und Sommer des Jahres 2003 bringen Deutschland reichlich Wärme und außergewöhnliche Trockenheit. Auch die Mittelmeerländer sind betroffen und vermelden Waldbrände. Einen davon haben wir in Bastia (Korsika) ganz in der Nähe.

In der letzten Augustdekade werfen wir in Porto Ferraio (Elba) die Leinen einer Janneau Sun Odyssey 38 los, um Korsika gegen den Uhrzeigersinn zu umrunden.

24. August 2003, Porto Ferraio (Elba) - Capraia

Hoch Süditalien, Tief Zentralspanien. Schwache Luftdruckgegensätze und Winde. Bei reichlich Hitze bringt der Motor angenehmen Fahrtwind. Das Spanientief gilt es im Auge zu behalten.

25. August 2003 Capraia - St.-Florent (Korsika)

Tiefkern Korsika ohne Fronten. Das verheißt instabile Schichtung mit erhöhter Wahrscheinlichkeit von Schauern und Gewittern in Landnaehe. Bereits am Morgen Altostratus und -cumulus, außerdem Cirrus. Später türmen sich an den korsischen Bergen Cumulonimben auf. Bei der abendlichen Anfahrt auf St. Florent fallen einzelne Tropfen aus einem Gewitterschirm. In der Nacht tobt im Hafen ein weiteres Gewitter; der Einfluss der umliegenden Berge macht sich bemerkbar.

26. August 2003, St. Florent - Calvi

Der Tiefdruckkern zieht weiter Richtung Sizilien; wir dümpeln bei schwachem Ostwind im Trog westwärts nach Calvi weiter.

27. August 2003, Calvi - Calvi

Der Trog vom Vortag verstärkt sich vorübergehend und prägt eine Front mit Wellenbildung aus. Bereits beim Auslaufen dämmert mir das Drohende als ich auf die freie See blicke. Draußen allerhand Segler mit reichlich Krängung. In der Tat bolzen wir bald gegen einen SW mit 6, in Böen 7 Bft an. Um die Mittagszeit einzelne lange Wellen mit 2,50 m Höhe, auch sonst unangenehme See.

Bilanz dieses Tages: Nach 6 Stunden Kampf liegen wir abends wieder in Calvi, beruhigen zwei arg strapazierte Seekrankheitsmägen, müssen unseren Plan der Korsika-Umrundung fallen lassen und entschließen uns, die korsische Ostküste zu besegeln. Das hiesige Chaos bei der Zuweisung von Liegeplätzen sind wir sowieso mehr als leid.

Mir ist das mehr als recht, denn dem Biskaya-Tief traue ich nicht über den Weg (O-Ton Deutsche Welle: "festliegend, vertiefend"). Bei so einer unsicheren Witterung muss es nicht unbedingt Korsikas schroffe Westküste sein.

28. August 2003, Calvi - Macinaggio

Na bitte, das Biskaya-Tief hat sich zum Sturmtief gemausert, mit Randtief Zentralfrankreich. Im Ligurischen Meer noch schwache Luftdruckgegensätze. Wir laufen mit Nord 1 Bft aus und kommen mit Süd 3 Bft an. Zur Nacht entwickelt sich ein ausgeprägter Scirocco, im Hafen sind einzelne Böen mit 7 Bft zu messen. Schon wieder droht Wind gegenan.

29. August 2003, Macinaggio

Tief Nordfrankreich-Biskaya, schleppt eine Kaltfront bis Nordafrika hinter sich her. Bei uns rechtdrehender Wind, jetzt Libeccio mit Sturmböen. Trotzdem unglaubliche Schwüle. Die Berge stecken in dunklen Wolken, die sich in Lee auflösen, so dass wir trocken bleiben. Hafentag. Wind aus Zielrichtung. Baden in einer schönen Brandung. Abends messen wir eine 40-Knoten-Böe, zur Nacht bereits Westwind.

30. August 2003, Macinaggio - Bastia

Die Kaltfront ist durchgezogen, Mistral droht. Unter Landabdeckung aber scheint uns die Weiterfahrt wenig riskant. Zur Belohnung ein schöner Segeltag. Vom West sind hinter hohen Bergen nur 2 Bft zu spüren, sonst bis 6 Bft. Aus dem Hinterland weht Rauch von den Waldbränden herüber.

31. August 2003, Bastia

Tief Polen, Kaltfrontdurchgang, Mistral, Hafentag. Im Hinterland brennt es, angefacht durch den starken Wind. Den ganzen Tag Fallböen bis 9 Bft mit lästigen Rauchgeruch und Ascheniederschlag aus einem Brandnest hinter der Stadtgrenze. Bilder davon hier.

1. September 2003, Bastia - Marina di Campo (Elba)

Randtief Norditalien. Bei schwachem Wind zeigen wir Korsika den Spiegel, um unserem Ausgangspunkt näher zu kommen. Die abwechslungsreiche Wetterentwicklung birgt das Risiko, fern der Charterbasis einzuwehen, und den Abgabertermin zu verpassen. Schon das zweite Mal, dass wir einen Plan abbrechen müssen. Von See aus sind auf Korsika drei Brandnester auszumachen, hinter uns wassern Löschflugzeuge, um Wasser aufzunehmen.

2. September 2003, Marina di Campo (Elba) - Giglio - Porto S. Stefano

Randtief und Front liegen im Norden fest, so dass wir bei leichtem Hochdruckeinfluss problemlos Giglio ansteuern, eine Insel nahe der südtoskanischen Küste. Bedauerlicherweise bekommen wir dort keinen Liegeplatz, was wegen der vielen Reservierungen für Taucherboote normal ist. Dafür fischen wir mit dem Anker eine Kette aus dem Hafenbecken und kommen nur mit Mühe frei. Kriegsrat, wie es weitergehen soll. Da die Mehrheit in einen Hafen möchte, versuchen wir es am italienischen Festland, steuern Porto S. Stefano an, wo wir mehr Glück haben.

3. September 2003, Porto S. Stefano - Talamone

Von Nord her zunehmender Hochdruckeinfluss und Ostwind. Das Randtief ist mitsamt Ausläufer verschwunden. Problemlose Kurzetappe nach Talamone. Dort im schlickigen Hafen sitzen wir auf Grund fest, falsche Tiefenangaben in der Revierliteratur.

4. September 2003, Talamone - Porto Azzurro (Elba)

Hochdruckwetter und Ostwind trotz eines Tiefs Portugal mit Front lang durch das westliche Mittelmeer südlich von uns. In den Vormittagsstunden vorübergehend 6 Bft, prima Segeltag mit viel Strecke am Wind.

5. September 2003, Porto Azzurro (Elba) - Porto Ferraio (Elba)

Tief Biskaya mit näher rückender Front. Der schwindende Hochdruckeinfluss deutet sich auf der letzten Etappe dieses Törns durch Bewölkung an.

6. September 2003, Porto Ferraio (Elba) - Piombino

Trog Frankreich-Schweiz, Hoch Ostsee mit schmaler Brücke Norditalien zum Azorenhoch. Als wir morgens von der Fähre nach Elba blicken sehen wir wolkenverhangenen Himmel, die Reste der Front vom Vortag. Rückreise bei Sonnenschein. Richtung Alpen jedoch wird es wieder unbeständiger.

Seemannschaftliches Fazit: