Fastnet Race 1979

Das Fastnet Race (Admirals Cup) ist ein Höhepunkt der internationalen Regattaszene. Es führt von Cowes, Südengland durch die irische See zum Fastnet Rock an der irischen Südspitze und zurück.

Am 13. August 1979 kommt es hier zu einer Katastrophe, als ein Grossteil des Regattafeldes in einen Orkan gerät, der trotz einer großangelegten Rettungsaktion 15 Seeleute das Leben kostete. 24 Yachten werden von ihren Besatzungen aufgegeben. Die Augenzeugenberichte dieses Dramas sind erschütternd. Die Zerstörungskraft von Wind und Wellen versetzt Segler, die zu den besten gehören, in Panik, so dass sie ihre durchkenternden Yachten verlassen und sich ihren Rettungsinseln anvertauen, obwohl die Sicherheitsregeln besagen, so lange wie möglich auf seinem Schiff zu bleiben. Groteskerweise findet man später die verlassenen Yachten zwar stark beschädigt, aber immerhin schwimmend, während ein Teil ihrer Besatzungen in den Rettungsinseln ertrunken ist.

Wie es dazu kommt:

Ausgangslage am 11. August 1979:

Gut zu erkennen das Azorenhoch mit Höhenkeil westlich Irland und Trog südlich Grönland. Im Segelrevier Irische See gemäßigtes Wetter mit leichten Winden. Da mit Westverlagerung des Keils zu rechnen ist, besteht für die Veranstalter kein Anhaltspunkt für eine Gefahrenlage. Die Regatta wird gestartet. Randbemerkung: Mistral franz. Mittelmeerküste.

Zweiter Tag, 12. August 1979:

Ostverlagerung des Trog-Keil-Systems, Keilachse mitten über den britschen Inseln, fortgesetztes Leichtwetter.

Dritter Tag, 13. August 1979:

Der Keil zieht ostwärts ab, Annäherung des Trogs. Wind dreht unter Verstärkung auf SW, Wetterverschlechterung. Das Steuertief westlich Island hat sich verstärkt. Jedoch geht das Debakel nicht von diesem Tief aus, sondern von dem Randtief, das jetzt mitten auf dem Atlantik liegt. 24 Stunden zuvor drehte es noch über Neufundland, und nähert sich nun rasch auf direktem Weg und verstärkend. Triebkraft für die schnelle Annäherung sind die großen Höhendruckunterschiede am Trogrand.

Vierter Tag, 14. August 1979:

Das Randtief ist unter Verstärkung und Vertiefung herangezogen und bildet jetzt neben dem ortsfesten Steuertief einen zweiten Kern direkt über Irland. Dichte Isobarenstaffelung eines SW-Orkans mit großem Fetch über dem Regattarevier, so dass sich eine gewaltige See aufbaut. Das Wellenfeld gerät auch durch die Schelfkanten dort besonders chaotisch. Die Katastrophe ist im Gange.

Zwei Gesichtspunkte fallen an der Entwicklung auf: Erstens die Zugbahn entlang des Trograndes innerhalb von nur 48 Stunden über den gesamten Nordatlantik (ca. 50 kn Zuggeschwindigkeit!) und zweitens die extreme Verstärkung, wobei in der irischen See auch noch das stärkste Windfeld auftritt.

Die Orkanentwicklung war damals wegen der dünnen Beobachtungsdaten auf dem Atlantik schwer zu prognostizieren. Zwei Triebkräfte sind auffällig. Erstens die großen Druckunterschiede in der Höhe und zweitens die plötzliche Krümmung der Isohypsen durch die Trogvertiefung vom 13. auf den 14 August. Nicht ganz unbeteiligt dürfte der Jetstream gewesen sein, der an seinem Left-Exit die nötige Vorticity für solche Rapidzyklogenesen bereitstellen kann. In der Tat zeigen die Radiosondenaufstiege (Camborne, SW-Spitze Englands) dieses Zeitraums vorübergehend Höhenwinde von 130 kt.

Den ungewöhnlichen Umbau des Jets vom 11. - 14. August des Jets zeigen auch die Höhenwindkarten eindrucksvoll:

Seemannschaftliches Fazit:

Worte eines Teilnehmers: "Seitdem bin ich vielleicht etwas bescheidener. Diese Nacht hat uns mal ganz kurz gezeigt, was die Natur kann".

Im Gedenken an die 15 Menschen, die der See ihr Leben opferten...