Hitzewelle in Griechenland, Kykladen 2000

Die Ägäis gilt als wettermäßig etwas kompliziert. Ganzjährig können der Meltemi und die berüchtigten Fallböen von den Inseln her Segler in Gefahr bringen. Der Sommer bringt oft langanhaltende Hitzewellen und der Winter viel Regen und Unwetter.

Im Juli 2000 gibt es in Griechenland eine kurze Hitzewelle. Zu dieser Zeit besegle ich die Kykladen. Sie sind die große Inselgruppe südöstlich von Athen und gehören zur Ägäis. Der Seeraum dort ist gesprenkelt mit zahlreichen Inseln unterschiedlichster Größe, darum reichlich Fährverkehr. Niemand hat es je geschafft, die genaue Anzahl zu ermitteln.

Wir reisen samstags an und machen uns sonntags ostwärts auf den Weg entlang der griechischen Festlandsküste.

2. Juli 2000:

Wir liegen am Ostrand eines ausgedehnten Hochdruckgebiets von Algerien bis zum Schwarzen Meer. Über der Ägäis zeigt es eine kleine Austrogung. Tatsächlich legt der Wind nachmittags, als wir die Landabdeckung verlassen, kurz auf 6 Bft zu. Der Kapeffekt tut ein übriges. Eine schöne Windsee rollt uns aus dem freien Seeraum in Nordost entgegen, eine Seekranke.

4. Juli 2000:

Beginn der Hitzewelle. Der Höhenkeil reicht von Sardinien bis zur türkischen Küste und bildet einzelne Bodenkerne aus. Dieses Bild findet man oft in windarmen Hitzeperioden.

Während am Festland die Temperaturen auf 40° C und darüber ansteigen, und Brände ausbrechen, ist es in den Kykladen gut auszuhalten. Das Wasser ist noch nicht so aufgeheizt und die Inseln, speziell die größeren bringen Konvektion und Seewind. Wir segeln einige Tage dahin und brauchen vorerst nur den noch fernen Trog über der Biskaya im Auge zu behalten.

13. Juli 2000:

Der Trog ist bis zur Adria vorangekommen. In Südfrankreich Mistral. In Griechenland wird die überhitzte Luft ausgeräumt.

Wir sind auf der Rückreise nach Athen. Eine Störung zieht durch. Vom Festland her wehen Wolken und Rauch (Waldbrände) auf das Meer hinaus. Am Nachmittag voraus eingelagert eine Gewitterwolke, die außer mir nur ein erfahrener Mitsegler bemerkt. Wir verlieren kein Wort darüber, um niemanden zusätzlich zu beunruhigen. Der Motor macht Ärger, kühlt nicht richtig. Ein Anfänger schlägt, vom Seegang auf das Äußerste genervt, allen Ernstes vor, die Yacht auf den Strand zu setzen und die Versicherung zahlen zu lassen. Der Mann ist Rechtsanwalt; ich erkläre ihm einige Zusammenhänge...

Die Lage ist aber nicht wirklich kritisch. Nur kurzzeitig bläst der Meltemi mit 6 Bft und schläft in der Nacht ein. Es ist vielmehr der veränderte Wettercharakter, die seltsamen Lichtverhältnisse und der Seegang, die subjektiv zu Unsicherheitsgefühlen beitragen.

Seemannschaftliches Fazit: