Mistral 1991

20-27. Juli 1991, Segeltörn an der Côte d'Azur. Von Bormes les Mimosas bis Menton und zurück bei viel Sonnenschein mit reichlich Wärme und meist Seewind am Nachmittag. Die Yacht eine geräumige Gib Sea 522 mit guten Segeleigenschaften, ein Traum von einem Boot.

Am späten Mittwoch verändert sich der Wettercharakter kaum merklich. Die Lichtverhältnisse sind anders als an den Tagen zuvor, leichte Dünung kommt auf. Wir werfen den Anker bei den Iles des Levins und brauchen mehrere Anläufe, weil der Pflug auf Seegras slippt. Später gesellen sich noch einige Motoryachten dazu, die sich sichtbar weniger um den Halt ihrer Anker sorgen.

25. Juli 1991:

Trog Westeuropa mit Tief westliche Nordsee. In Südfrankreich dominieren in der Nacht noch schwache Winde.

Im Morgengrauen kommt Wind auf, und die Motoryachten fahren ihr sorglos geworfenes Ankergeschirr spazieren. Uns wird es zu gefährlich, da schon ein paar Boote kollidiert sind. Wir lichten den Anker um 5:30 Uhr und machen uns südwestwärts auf den Weg. Schnell steigert sich der West auf 8 Bft. Segelführung: Groß und Genua, beide stark gerefft. In St. Raphael setzen wir einen Mitsegler ab, kaufen ein, frühstücken und pflegen einen Seekranken.

Fortsetzung der Tagesetappe vorbei an St. Tropez und dem Cap Camerat Richtung Bormes. Hier erwischt uns der Mistral in voller Ausprägung (auf den Karten wegen der 24-Stunden-Auflösung nicht zu sehen), 9-10 Bft Mittelwind, eine Böe wird mit über 50 Knoten gemessen, steile, weisse See unter strahlendem Blau, in der Mensch und Material hart rangenommen werden, Wellenhöhe 2 Meter. Gischt schäumt über das gesamte Schiff und der Bug stampft zum Hundserbarmen. Bei jedem Hinabstürzen in die Wellentäler poltert das Vorschiff wie eine Badewanne und ein Schlag erschüttert das gesamte Rigg. Sturmtaktik: Großsegel im dritten Reff zum Stützen und mit Motorkraft gegenan; die große Yacht macht tReffatsächlich Fahrt über Grund.

Am Nachmittag treffen wir unter den kritisch-besorgten Augen des Vercharterers zerzaust in Bormes ein. Keine Schäden an Schiff und Mannschaft. Glück gehabt!

26. Juli 1979:

Fortsetzung des Sturms. Die Trogspitze liegt nun mitten über Südfrankreich.

27. Juli 1991:

Abreisetag. Der Trog zieht in die Adria weiter, von West drückt der Hochkeil nordwestausgreifend nach, der dritte Tag mit Mistral. Speziell die Nordwestverlagerung ist beispielhaft für eine Merkregel, die mir ein erfahrener Skipper aus Karlsruhe verriet: Fährst Du bei Mistral nach Hause, erwartet Dich dort schönes Wetter.

28. Juli 1991:

Tatsächlich: Heimkehr in Deutschland bei herrlichem Sommerwetter (Hoch mit Kern Deutsche Bucht; das Höhentief kreist inzwischen über dem Balkan).

Seemannschaftliches Fazit: