Hinweise zur Deutung der Karten

Die verwendeten GFS-Beispielkarten (Bodendruck und 500 hPa-Isohypsen) muten vielleicht seltsam an. Tatsächlich braucht man etwas Übung für die richtige Deutung, aber die Mühe lohnt sich, weil der amerikanische Wetterdienst sie für 9 Tage im voraus berechnet, Aktualisierung alle 6 Stunden. Etwa so lange dauern auch die Rechnersimulationen, d. h. eine Karte, die man sich morgens besorgt, basiert auf den Messdaten von Mitternacht. Man gewinnt einen Zeitvorteil gegenüber anderen Vorhersagen, weil man nicht erst auf Sendetermine warten muss oder darauf, dass der Meteorologe vom Dienst mit seiner Auswertung für die halbe Nordhemisphäre fertig ist. Kurz, so genau, wie man es für sein Revier braucht, kann man es schnell selbst machen.

Die Karten zeigen:

  1. Küsten und Ländergrenzen (schwarze Linien)
  2. Längen und Breitengrade (grau gepunktete Linien, Teilung 20° für Länge, 10° für Breite)
  3. Luftdruck aus Meereshöhe (weiße Linien)
  4. Luftdruck in der Höhe (farbige Flächen)

Der Höhendruck ist nicht direkt angegeben, sondern in Form von Isohypsen, als Höhe in Dekameter [dm], in der ein Luftdruck von 500 Hektopascal [hPa] herrscht. In der Meteorologie ist das so üblich. Je stärker der Höhendruck, desto größer die 500-hPa-Höhe. Von Interesse ist weniger der absolute Wert, sondern die Unterschiede zur Umgebung.

Isohypsen sind immer einen Blick wert, weil sie zusätzliche Informationen über die Keile und Tröge liefert. Diese Wellenmuster steuern - vereinfacht gesagt - das Geschehen am Boden. Man vermeidet damit außerdem, dass einem ein Tief "durch die Lappen geht"; manchmal nämlich ist ein wetterwirksames Höhentief an den Bodenisobaren nicht oder nur schwer erkennbar.

Segler interessiert primär der Wind. Zur Ermittlung von Windrichtung und Stärke sind die Bodenisobaren heranzuziehen. Die Stärke resultiert aus den Druckunterschieden. Starkwindfelder liegen dort, wo die Bodensisobaren in dichtem Abstand verlaufen. Quantitativ gelten für die Windstärke auf 50° N folgende Faustregeln:

Abstand der 5-hPa-Isobaren Windstärke
300 sm 4 Bft
200 sm 5 Bft
100 sm 8 Bft

Luft strömt niemals auf kürzestem Wege vom Hoch zum Tief, sondern in S-Kurven. Auf der Nordhalbkugel weht sie im Uhrzeigersinn aus den Hochs heraus und gegen den Uhrzeigersinn in die Tiefs hinein. Ursache ist die Coriolis-Kraft. Ihr Ablenkungseffekt wächst mit der geographischen Breite. Die Windrichtungslinien schneiden die Isobaren mehr oder weniger im spitzen Winkel. Hierfür gilt die Regel: Je gerader Isobaren verlaufen, desto paralleler verläuft die Windrichtung zu ihnen. Der vollständigkeit halber: Solche Windvektoren heißen geostrophischer Wind.

An den Bodenisobaren lässt sich außerdem oft der Verlauf von Fronten erkennen, was aber eher eine Kunst für Fortgeschrittene ist. Leicht zu erkennen ist er, wenn Isobaren schmale Kerben oder Tiefdruckrinnen zeigen. Darin versteckt sich darin gewöhnlich eine Kaltfront oder Okklusion.

Natürlich braucht man etwas meteorologisches Grundlagenwissen. Dazu muss auf Literatur und Internet verwiesen werden. Der Sinn dieser Seite ist nicht, den zahlreichen Einführungen eine weitere hinzuzufügen. Aber egal wie man dazu steht, ein paar Linien auf einer Karte von heute können auf See morgen Wohl oder Wehe bedeuten.